Der Nichtstuer
von Hans Peter Hoffmann
Erzählung. Gebundene Ausgabe, 150 Seiten, Deutsche Verlags-Anstalt, erschienen in der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA) / Preis: 16,00 Euro / ISBN 3-4210-5744-3
Infos zum Buch
"Er bewache den Fluß." Das ist der Anfang des langen, spannenden Monologs, mit dem der "Nichtstuer" seine Arbeit begleitet: Tag für Tag sitzt er im Zug, am Fenster, und geht seinem Beruf nach: Er ist Flußwächter, Fließbeobachter, er ist auf der Flußwacht, er achtet darauf, daß das Fließen nicht aufhört, daß der Fluß nicht stillsteht. Dazu merkt sich der Nichtstuer eine Stelle im Fluß und er eilt ihr, sie verfolgend, voran. So spricht er, so erzählt er: assoziativ, strudelnd, sprudelnd, unveranlaßt, sich selber aufhebend, sich selber ins Wort fallend - über sein Leben, seine Geschichte, seine Gedanken, seine Zeit. Das nennt er seinen Sprachfluß. Und auch in ihm strebt er, sich eine Stelle zu merken, und entdeckt dabei verwundert, wie er sich eifrig und beredt bemüht, existentielle Anhaltspunkte zu finden für sich selbst: Seine Erfahrungen, Erlebnisse, Gedanken und Phantasien sind wie die Dinge, sagt er, sie haben ihr Teil - und haben ihr Gegenteil. Gleichzeitig. Und sein "Gegenteil" wiederum ist China, ist sein im Dritten Reich dorthin ausgewanderter Vater, der ihn, glaubt er, lachend gezeugt hat. Und sein Gegenteil ist wohl auch noch Zhuangzi (Dschuangdse/Dschuang Dsi), ein altchinesischer Philosoph, von dem es ein Buch gibt, das er freilich gar nicht geschrieben hat ... "Worüber man nicht sprechen kann, darüber kann man auch nicht schweigen." So spricht er, der Nichtstuer, so erzählt er. Und: Er ist auf der Hut. Aber er tut nichts. Das ist das Schwerste. "Der Nichtstuer"? Eine fließende Geschichte, überaus lebendig erzählt, von einer erstaunlichen Leichtigkeit, von einem verspielten, einnehmenden Charme, Geist und Witz getragen. Alles in allem: ein Buch für ganz entspannte Gedankengänge.
Textproben
Er bewache den Fluß, sagte er. Genauer gesagt, er achte auf das Fließen, er achte darauf, daß es nicht aufhöre, daß das Fließen nicht aufhöre. Das sei seine Aufgabe, sagte er, in dem Wortlaut, in dem ich es hier niederschreibe. Mal die-sen, mal jenen Fluß. Meistens den Rhein, da sei die Gefahr am Größten. Bei großen Flüssen sei die Gefahr am Größten. Er achte darauf, daß der Fluß nicht stillstehe, dafür, daß der Fluß nicht stillstehe, habe er zwei wichtige Stellen ausfindig gemacht, zu denen er mit dem Zug hinfahre und zurückfahre. Er merke sich eine Stelle im Fluß, sagte er. Er meine damit, wie er mir erklärte, er habe lange dazu gebraucht, sich eine Stelle im fließenden Wasser merken zu können, aber jetzt könne er das, er könne sich jetzt eine Stelle im fließenden Wasser merken, sie von allen anderen Stellen im fließenden Gewässer, die er sich je gemerkt habe, unterscheiden, was, wie er zugebe, sagte er, eigentlich nicht gehe, was er aber für seine Arbeit unbedingt tun müsse, zumindest müsse er so tun, als wäre es möglich, um festzustellen, ob sich überhaupt etwas bewe-ge. Eine festgehaltenes Fließen, und sei es ein im Fluß festgehaltenes Fließen sei nämlich kein Fließen mehr. Schon das Wort fließen sei kein Fließen, das sei zu bedenken, sondern bringe es sozusagen zum paradoxen Stillstand. Deshalb sei nicht leicht festzustellen, ob sich überhaupt noch etwas bewege, denn schließlich sei immer alles in Bewegung, selbst die Worte, ein Problem des Standpunktes, ohne Standpunkt sich eine Stelle zu fixieren, obwohl wohlge-merkt alles um sich und umeinander in Bewegung sei, auch das Denken, vor allem das Denken. Wenn er sich dann eine solche Stelle fixiert habe, eile er zum Zug, fahre z.B. den Rhein hinunter, sagen wir, sagte er, von Basel nach Koblenz. Landesgrenzen gingen ihn nichts an, sowenig wie Kulturen, da denke er global, wie ja auch die rheinanrainernden Status-Quo und Verschmutzungs-Firmen global dächten, das Internationale wie das Nationale überwunden, nicht einmal mehr das Regionale oder auch nur Gemeindegemeininteresse im Blick hätten, sondern nur die globalprivateigene Tasche. Überall könne man Wasser-, Besitz,- und Stillstände ablesen, diese seien aber immer auch Höchst-stände, also Umkehren, Wendungen. In Koblenz warte er dann, da der Zug schneller fahre als das Wasser fließe, solange es fließe, vor allem die neuen ICEs, die er, wie er zugeben müsse, gerne nutze, weil die Landschaft vorbei-ziehe wie eine eigens für die Reisenden abgerollte Theaterkulisse, die keine Reisenden mehr seien, sondern nur noch Transportiert-Werdende, von einem Punkt zum anderen Transportiert-Werdende, Stückgut, Fracht, die nicht reist, weil Stand- und Bestimmungsort der gleiche sind, alles sei ja nur noch eine Ansammlung, Zusammenballung von Standorten, Standortvorteilen, Standort-nachteilen, Standortbestimmungen. In Koblenz warte er dann auf die Welle, das Kräuseln, den Strudel, das Lächeln des Wassers, das er fixiert habe, ja, manchmal lächle das Wasser, habe er gefunden, das heiße, er habe kein besse-res Wort dafür gefunden als Lächeln. Wenn die von ihm so fixierte Stelle vor-beikomme, sei er beruhigt, daß noch Bewegung sei, relative Bewegung, keine absolute Bewegung, nur relative Bewegung, eine andere wäre in unserem Zeit-alter nicht mehr auszumachen, vielleicht nie auszumachen gewesen, sagte er mit Nachdruck auf dem Folgenden: Das Absolute ist vielleicht nie auszuma-chen gewesen, zu keiner Zeit. Aber man könne da, zumindest er für sein Teil könne da nicht sicher sein. Er für sein Teil, diese Wendung hörte ich oft von ihm, er sagte gerne: Ich für mein Teil oder Meine Wenigkeit, obwohl deutlich war, daß er gerade durch Wendungen wie Ich für mein Teil und meine Wenig-keit viel mehr sagen wollte, eine Wendung sozusagen, die ich damit verband. Jetzt, wo ich mir die Begegnungen mit diesem eigenartigen Mann ins Gedächt-nis rufe, sie niederschreibe, um sie hinter mir zu lassen, in diesem Augenblick möchte ich selbst von meiner Wenigkeit sprechen, hätte er mir nicht erklärt, er meine diese Redewendung wie einen entsprechenden Ausdruck, den er aus dem Chinesischen kenne, den der chinesische Kaiser gebraucht habe, wenn er von sich sprechend sagte: Ich Einsamer! So meine er es, wie er auch überzeugt sei, der chinesische Kaiser oder man müsse besser sagen das chinesische Kai-seramt sei maßgeblich und viel früher als bei uns an der Erfindung der Wenig-keit der menschlichen Existenz beteiligt gewesen, obwohl es natürlich keine reine, schon gar keine französische Existenz gewesen sei, sondern eine chinesi-sche - wenn man so voreilig sein wolle, die Menschen, die in einem so vieltü-rigen Zeitraum lebten und so viele gewesen seien, alle mit einem Namen nen-nen zu wollen. Aber vielleicht sei das gar nicht so ungerecht, wie er es zu Zei-ten ungerecht gefunden hatte, wie ja auch die Flüsse, die er seither beobachte, auf einen Namen hörten, aber letztlich sei es nicht von Bedeutung. Im Sinn dieser chinesischen Existenz gebrauche er die Wendung Meine Wenigkeit und Ich für meinen Teil, meine damit aber seine hervorgehobene Verborgenheit, die ihm sein Amt als Fließbeobachter, Flußwächter, Stellenfixierer und Nichtstuer eingebracht habe. Fließbeobachter, Flußwächter, Stellenfixierer und Nichtstuer seien so selten wie chinesische Kaiser, die ja abgeschafft seien. Er frage sich oft, wie es habe zu ihm kommen können, finde aber keine rechte Antwort darauf, auch eine linke suche er bislang vergeblich, wobei suchen nicht das richtige Wort sei.
[...]
Er jedenfalls sei im ICE erreichbar, er gehe seiner Arbeit nach, seiner Beru-fung, hätte er beinahe gesagt, sagte er, wenn dieses Wort nicht so abge-schmackt klänge, schon eine Wendung sei, eine Wendung ins eigene Gegenteil, im gleichen Wort, aber das sei, sagte er, noch ein anderes Thema, aber letztlich sei alles ein anderes Thema, es gebe nur andere Themen, vor allem, wenn man beim Thema bleibe, er müsse jetzt aussteigen, sich beeilen, der Zug habe Ver-spätung, er befürchte, er könne das kleine Lächeln des Flusses, das er fixiert habe, verpassen, eine Erscheinung damit verpassen, die immer seltener werde, man könnte den Kalauer anschließen, die Flüsse hätten auch nichts zu lachen, wenn die Sache nicht so ernst wäre. In Amerika z.B. gäbe es einen Fluß, einen großen Fluß, der ende in einer Stadt. Früher sei er ein Strom gewesen und, wie der Name sage, in den Pazifik gemündet, jetzt münde er in einer Stadt, fließe hinein, aber nicht wieder hinaus, ergösse sich in Millionen von Wasserspülun-gen, Wasserhähnen, Kühltürmen, Autowaschanlagen, Swimmingpools, werde ganz ohne ein Tröpfchen Rest verbraucht.
[...]
Z.B. meine Kindheit, sagte er, die natürlich erst meine Kindheit wurde, als sie vorbei war, meine Kindheit, die mich bereits auf den Beruf eines Nichtstuers vorbereitete, meine Kindheit war nichts Besonderes, nichts Besonderes bis zu dem Zeitpunkt, den ich sie bitten möchte, mit mir, sagte er, im Nachhinein den Augenblick meiner Initialweigerung zu nennen. Es begann mit der Geburt, begann er, das heißt genauer, es begann damit, daß man begann, mir etwas zu erzählen, das man als ‘meine’ Geburt bezeichnete. Das war der Augenblick meiner initialen Weigerung. Mit allen Fasern meines Wesens weigerte ich mich. Was sie erzählten, hatte nichts mit mir zu tun, das war ihre Sache, sagte er, ich, das war immer schon dagewesen oder langsam wiedergekommen. So wie nach dem Dunklen das Helle wiederkam, so wie man mich aus etwas Weichem, Weißen herausschälte, mich naß machte, mich in verschiedene Dinge und Si-tuationen hineinsteckte, den vielen sichtbaren und unsichtbaren Dingen über-ließ. Je heftiger ich mich wehrte, je unwilliger ich gegen diese Zumutung an-strampelte, umso tiefer verstrickte ich mich in dieses Etwas. Von da an teilte sich mein Leben: in Dinge, die zu meiner Geschichte gehörten und Dinge, die zu einer anderen Geschichte gehörten, ich begann, eine doppelte Geschichte zu haben, ich war in etwas gefallen, das mit diesem Wort ‘Geburt’ anfing. Es war schlimm, täglich verstrickte ich mich enger, täglich wurde es schlimmer, die ganze Geschichte, ein großer Teil der zusätzlichen Dinge, die man mir zu-mutete, hingen mit der Nachricht zusammen, ich hätte angefangen. Dann ka-men die Namen. Man gab mir den Namen der Menschen, die sich im Namen meiner sogenannten Geburt zusammengefunden hatten, man gab mir den Namen des Dorfes, man gab mir den Namen des Landstrichs, in dem ich ge-boren war, man versah mich mit dem Namen des Staates, in dessen Namen mir eine Geburtsurkunde ausgestellt wurde, ich trug schließlich den Namen des Erdteils, auf den meine Geburt lokalisiert worden war. Das erstickte mei-nen eigenen Namen, den es noch gar nicht gab, den es vielleicht nie geben würde, den ich auf diese Weise vergessen haben würde, bevor ich eine Chance gehabt haben würde, mich an ihn zu erinnern. Aber ich weigerte mich, meine Geburt zu akzeptieren. Das tat ich geschickt, denn ich bewahrte Stillschweigen darüber, ich verschloß mich wie eine Raupe, wie eine Schnecke, die sich in ihr Haus zurückzieht und wartet. Selbstverständlich war auch ich geboren worden, in einer kleinen, abgelegen Ortschaft, wo es seiner Zeit noch keine Straßenla-ternen gab außer dem Mond und der Ordnung der Sterne über noch nicht asphaltierten Straßen. Das Radio steckte in den Kinderschuhen, es gab nur ein Programm, was aber schnell geändert wurde, es sei kein Wunder, fügte er sich unterbrechend hinzu, daß das öffentlich rechtliche Fernsehen letztlich in drei Programme zerfalle, die Drei sei die erste Zahl der Einheit, er sei Trialektiker, auch wenn er das zu dieser Zeit nicht gewußt habe, aber doch schon die ersten Einführungen in die Trialektik des Christentums bekam, aber er sollte chinesi-scher Trialektiker werden, kein katholischer, aber das sei eine spätere Ent-wicklung, auch wenn er dies nur mit einem gewissen Zögern sage, sagte er, das müsse er gestehen, denn er wisse in der Tat nicht, was früher oder später sei, er wisse es tatsächlich nicht. Diese Zeiteinteilungen seien, so finde er, eine Farce, eine sprachliche Konvention, das Chinesische z.B. habe in seiner gänzlichen Abgeschliffenheit, in seiner vollkommen abgewetzten Flexionslosigkeit eine Form, eine einzige Form, die dadurch natürlich keine Form sei, sondern eine Stellung, die zunächst einmal zeitlos sei. Die man zwar näher bestimmen kön-ne mit Partikeln und Zusätzen wie heute, morgen oder gestern, aber das seien eben Zusätze, an sich sei das Chinesische ohne Zeitform, die Zeit sei ein Zu-satz, ein Zufall, solange sich die Stellung halten lasse. Das Chinesische gehe sozusagen in Stellung, in Dienst und in Deckung, es sei ein Gebäude ohne Zeit, in dem alles gleichzeitig ist. So wandere er, sagte er, durch das, was er gewohnt sei, seine Geschichte zu nennen, wie durch ein Gebäude, einen Land-schaftsprospekt, es war alles immer da gewesen, spätestens seit dem Zeitpunkt seiner Weigerung. Ganz in der Ordnung hatte er Vater und Mutter gehabt, sagte er, die er allerdings bald mit einem gewissen Mißtrauen betrachtet habe. Zunächst war ich mit allem einverstanden. Es gab kein Zuvor, auch das Da-nach wirkte kaum länger voraus als der zu erwartende Nachtisch. Ich hatte nur ein Programm, versagte mir nichts, suchte allerdings auch nicht. Ich roch und schmeckte, lachte und langte, schrie und schiß, sagte er lachend, er wisse wohl, daß das eine Rekonstruktion sei, eine anhand der Beispiele der anderen, an-hand von Familienfotos, die immer an Sonntagnachmittagen hervorgezogen wurden, durchgeführten Rekonstruktionen: Plötzlich, sagte er, finden wir uns mit der kompromittierenden Geschichte eines Hosenscheißers versehen, über den wir nichts wissen, über den wir nichts sagen können, über den wir unmün-dig sind, der uns der bevormundenden Herablassung der damals jetzt schon gelebt habenden Tanten aussetzt. Es sei ein Kennzeichen von Tanten, das wis-se ich sicher, daß sie immer schon und immer schon damals jetzt gelebt hätten, sagte er, sie ließen sich herab, plötzlich sind wir klein, winzig, ein Tantenwinz-ling, wir erleben noch einmal, hundertmal, tausendmal, was wir eigentlich nie erlebt hatten, wir wurden zum Männchen- oder Weibchenmachen gezwungen, es gab kein Entrinnen vor den immer schon gelebt habenden Tanten, ihren Blicken, die uns schon damals jetzt in jede Ritze und Körperöffnung prüfend voyeurisiert hätten, die uns in den Mund gefaßt hätten, die uns in die Hose gefaßt hätten, damit man auf den Fotos auch lache, natürlich immer vor allen Leuten, das gehöre dazu, das sei das Gesetz der Sozialisation, daß man sich vor allen Leuten in den Mund und in die Hose fassen lassen müsse, daß sie jede Falte, Ritze und Körperöffnung begutachteten, einen in Teile zerschnitten für ihre genealogischen Gutachten. Licht fiel in meine Augen und Dunkel, sagte er, und was da in die Augen fiel, hing mit allem möglichen zusammen: Das Dunkle mit etwas Weichem, Warmem, in das man mich hüllte. Das Dunkle wurde nach draußen gesperrt, mit etwas, das ein rollendes Geräusch war. Das Dunkle im Zimmer hinter dem rollenden Geräusch war endgültiger als das, das nach draußen gesperrt wurde. Das machte das Dunkle manchmal wütend, dann schlug es mit dem Kopf gegen das rollende Geräusch, es bekam Risse und Sprünge, im Kopf und draußen, vor dem Fenster lagen in hellen Haufen dunkle Scherben, schmolzen, flossen durch kleine schwarze Löcher in die Räume unter den Häusern, wo, wenn das Helle da war, das Dunkle eingesperrt war. Im Dunklen saßen glühende schwarze Kohlen, Kartoffeln mit Augen und geduldige Spinnen, jedes Haus hockte über einem Stück Unheimlichkeit, be-wachte es. Es gab eine Tür dort hinunter, ich war nie sicher, ob nicht dahinter etwas hervorkommen würde, etwas Grauenvolles, das ich später manchmal in den Lenden spüren sollte, ein Ziehen, eine Beunruhigung, jedenfalls hockte das Dunkle dahinter, das spürte ich, wenn ich an der Tür vorbeihuschte, sagte er. Mich selbst spürte ich deutlicher als sonst, wenn ich an der Tür vorbeihuschte, vor allem, wenn sie offenstand, das Ziehen irgendwo, ein schnüffelndes Zie-hen, ein schnüffelnder Unterton, den ich aus allem heraushörte, der unter al-lem zu liegen schien, wie das Dunkle in den Kellern, vor dem man, wenn es herauskam, in das Weiche floh, das Warme. Wenn ich auf das kleine runde schwarze Loch gesetzt wurde, sagte er, das im Garten ein eigenes Häuschen, einen eigenen Geruch hatte, und drückte, war ich selbst ein Haus. Es war eine Lust, sich fallen zu lassen, herrlich verächtlich fallen zu lassen, der Finsternis ins Gesicht zu klatschen, die so feige hinter dem Deckel hockte. Ein Gefühl der Macht, ein Flackern der Augen, ein mutwilliges Feuer, das nicht wieder verlöschen sollte. Doch wenn das Helle nach unten ging, griff das Dunkle aus dem Haus, stieg, alles ging darin unter, die Lust wurde Angst. Das Helle aller-dings hatte die schwierigeren Regeln: Es gab Dinge, in die man hineingesteckt wurde, die man, wenn es gut ging, nachher kaum spürte, ansonst kratzten oder drückten sie, es gab sehr viele Dinge, die meisten riesig, manche taten weh, manche waren sehr angenehm, wenn man sie in den Mund steckte. Die weh taten, mußte man sich merken, die angenehmen behielt man von selbst. Und es gab die anderen. Manche waren wie die Dinge, die weh taten, nur anders, sie trugen etwas von dem Dunklen in sich, sie waren wie die Tür vor dem Keller, schwer einzuschätzen, andere wiederum schmeckten gut, man konnte nicht genug davon bekommen. Schwieriger waren die unsichtbaren Dinge, sie hin-gen mit den sichtbaren zusammen, aber diese Zusammenhänge waren nicht leicht zu durchschauen.
[...]
* Alle Rechte auf die Textproben liegen bei dem Verlag Frieling & Partner, Berlin. |
 |
Seiten: Liebesgedichte |
Hochzeit | Weihnachten
Offene
Plattform für Buchvorstellungen (Bücher, Zeitschriften, ...) von:
Dulzinea
Zeitschrift für Lyrik und Bild
copyright by www.Buecher-Zeitschriften.com 2004
|