Die Träume einer Seele
von Silke B. Brunner
LICHTpunkte - Band 11; 96 Seiten; PB; Erschien 2002 im TRIGA/Verlag, Gelnhausen; 9,20 Euro; 17,40 SFR; ISBN 3-89774-237-3
Phantasievoll, poetisch gestaltete Texte entführen die Leser in eine Welt der Träume: Reflexionen der Realität. Mit zahlreichen Illustrationen.
Wenn die Träume der Seele erwachen und sie bewusst unsere Wünsche und Ängste widerspiegeln erst dann können wir lernen, damit umzugehen!
Textproben
Romeo und Julia – Unendliche Liebe
In einer lauen Vollmondnacht,
hat der Himmel Liebeszauber auf die schlafende Erde gebracht.
Die Luft vor Liebe leicht knisternd,
der Wind streicht zärtlich flüsternd
über die dunkle verhüllte Landschaft,
dünne Nebelschwaden spenden die Kraft,
ein lieblich’ Geheimnis zu verstecken,
keine Menschenseele wird’s je entdecken.
In der Ruine rosenbesäumt,
trifft sich nächtlich ein Pärchen verträumt,
zwei unsterblich verliebte Seelen,
kein leichtes Dasein, sie müssen sich quälen,
dürfen die Zuneigung nicht öffentlich zeigen,
mit Schimpf und Schande würde man sie vertreiben.
Gegen Emotionen kein Ankommen möglich,
nur ein Ausweg da und der ist tödlich.
Gebrochene Herzen, die aufrichtig liebten,
mit Gift sie diese Hoffnung bekriegten.
Auf Erden nicht fassbar, im Tode vereint,
im Leben verachtet, im Sarge beweint.
Warum muss Schönheit erst sterben,
der Körper im Grabe verderben.
Jungfräulich verurteilt wegen Wärme im Herzen,
auferstanden ohne Pein und Schmerzen.
Heut‘ sind sie verbunden auf ewige Zeit,
immerfort glücklich, kein Gedanke an Leid!
Wispern im Schnee
Ein Schlitten mit noblem Pferdegespann,
die Laterne, in der das Leben der Kerze verrann.
Er gleitet dahin in dunkler Nacht,
von einem Kutscher wohl bewacht.
Die Flöckchen fallen vom Firmament hernieder,
gleichen weißen Bienen mit einem Gefieder.
Sehr leise auf die Erde geschwebt,
kein einziger Laut sich nun erhebt.
Bis auf den leichten Glöckchenklang,
klingt ähnlich dem Himmelsbotengesang.
Es raunt durch die Finsternis der Bäume Geächze,
wenn man genau horcht, auch Käuzchengekrächze.
Die Pferdchen genießen die Kostbarkeit,
die Gott heut' nacht der Weltkugel verleiht.
Sie tänzeln dahin mit Stolz im Blick,
führen die Kutsche mit sehr viel Geschick
durch den dicht bewachsenen Wald,
sieh, da vorn, eine leuchtende Gestalt.
Sie steht still da und rührt sich nicht,
weist den Kutscher an und zeigt ihm schlicht,
welchen Weg er nun zu fahren habe,
sehr sanft hört man Pferdegetrabe.
Sie spricht zu ihm, aber ohne Worte,
führt ihn direkt zu des Himmels Pforte.
Denn er hat geladen eine wertvolle Fracht,
eine Seele darf eingehen in die göttliche Pracht!
Unselige Liebe
Im düsteren Land der Karpaten,
Legenden mit Fluch und Unheil beladen.
Sie lebten wie Könige in Saus und Braus,
das Gesindel ernährte sich von Ratte und Maus.
Die Herrschaft zog in Dunkelheit umher,
ihre Augen blutunterlaufen und leer
ohne Leuchten und Herzenswärme,
sie wohnen im Schloss und Fledermausschwärme
hängen an hohen Decken in finsterer Gruft,
sie ruhen in Särgen mit sterbender Luft.
Müssen warten, bis der Sonne Glanz versinkt
und der nächtliche Zauber beginnt.
Sie erheben sich leise aus den Ruhestätten,
besuchen die Sterblichen in ihren Betten.
Fliegen mit Eleganz über die Dächer,
galant treten sie ein in die Schlafgemächer
von schönen Jungfrauen, makellos und rein,
das werden die süßesten Opfer sein.
Heiß begehrt der Frische Jugend,
wohlerzogen in sündloser Tugend.
In dicke Gänsedaunen gehüllt,
der Traum mit schönen Bildern gefüllt.
Er beugt sich über das hübsche Gesicht,
sie lächelt im Schlaf, ein flackerndes Licht
streichelt ihre zarte Haut,
ein Mädchen, das wie eine Göttin ausschaut.
Sie hat ihr Haupt zur Rechten liegen,
lose Haarlocken sich an den Hals anschmiegen.
Mit leichter Bewegung rückt er sie zur Seite,
blickt auf ihren Hals, er glänzt wie Geschmeide.
Der Gast bückt sich nieder
liebkost sie wieder,
diesmal mit den Lippen als wollt' er sie küssen,
sie wacht nie mehr auf, wird das Leben vermissen.
Nie wieder spazieren im hellen Schein,
ein Bluttrank mit Wirkung wie roter Wein.
Er holte sie heim als seine Braut,
macht sie mit dem jetzigen Leben vertraut.
Gemeinsam ein Dasein mit der Liebsten bestehen,
doch eines Tages wird der Wind ihre Asche verwehen!
Alle Rechte auf die Textproben liegen beim TRIGA/Verlag, Gelnhausen. |
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