Lachende Sonette und verrückte Reimereien
von Oswald Köberl
Mit diesen Gedichten wird nicht eine Witzkiste ausgeschüttet, auch wenn das Lachen nicht verboten ist.
Manche der Gedichte sind schräg, um die Ecke gedacht oder bewußt absurd und erschließen sich am ehesten durch Klangfarben, die wie in einem abstrakten Bild verteilt sind.
Aber das meiste darf doch als gegenständlich gelten...
Leseprobe
Nach der Premiere
Die Oper war ganz neu. Orchesterklänge
im Zwölfgetön – sie waren einfach schön.
Und der vokale Teil: fast wie Gestöhn,
bisweilen auch, als ob ein Rabe sänge.
Belcanto, Sie verstehn, in Übermaßen
und sehr bizarr, da blieb uns nichts erspart.
Dann wieder ein Fortissimo, so zart,
daß wir den Sinn der Handlung fast vergaßen.
Der nämlich blieb, dank glänzender Regie,
aufs äußerste verwirrt und dunkel wie
das Bühnenbild. Wir haben nichts begriffen.
Ein wunderbarer Abend, der Applaus
durchfuhr wie Sturm das Opernhaus
mit Buhgeschrei, Getrampel und mit Pfiffen.
Wortsalat - nein danke
Ich mag ihn nicht, den welken Wortsalat.
Viel besser schmecken Floskeln, frisch geröstet,
dazu Gedankenwein, gekühlt (bei 16 Grad),
doch keineswegs der welke Wortsalat.
Als Nachtisch dann ein klassisches Zitat,
das auf der Zunge süß zergeht und tröstet...
Doch räumt mir fort den welken Wortsalat
und schaut, daß ihr die Floskeln knusprig röstet! |
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