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Freilaufende Masken
von wienther

Prolog

Stell dir vor, du bist mitten in einer aufstrebenden Metropole, wirst geliebt und gehasst, lebst in deiner eigenen Welt, die sich tagtäglich in einen großen Zirkus verwandelt. Alt und Jung sind vereint, finden sich in einer Uniformierung wieder, die zur Straße der Wahrnehmung führt.
Es ist Leidenschaft, wenn die Straßenmusikanten erwachen und für ein paar Cents ihr Können unter Beweis stellen.
Es sind jene Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben und die uns allen bekannten Straßenmagazine, die seit Jahren das Bild der Städte prägen, verkaufen. Jeder neue Tag ist eine stereotype Wiederholung, um den einen oder anderen potentiellen Käufer von sozialen Themen zu überzeugen. Von vielen als störend empfunden ist es oft die einzige Möglichkeit nicht in die endgültige soziale Abgrenzung zu rutschen.
Es ist eine Mischung eingefangener Momente, die literarisch umrahmt den Augenblick der Aufmerksamkeit und Verantwortung hervorrufen mögen. Das Werk geht der Frage nach der zwanghaften Uniformierung in gesellschaftlicher Sichtweise nach. Im Mittelpunkt steht der Einzelne, der die Freiheit der Scheinwelt genießt, sich jedoch von Trends blind leiten lässt.
Das vorliegende Buch beschreibt Ideale und Erwartungen, Hoffnungen und Verständnis, die jene Uniformierung in den Kontext der freilaufenden Masken zu stellen versucht.
Die geschriebenen Worte vereinigen sich in dem Titelbild und sollen eine Einheit bilden. Das Leitbild enthält Fragmente der einzelnen Werke, wobei die Buchstaben einen festen Platz in der Gesamtheit des Bildes erhalten.
Ich nenne es den Versuch Gleichgültigkeit mit Ungeplantem, Aktuelles mit dem Gewachsenen und Träume mit dem Realen zu verbinden.


Sami Abu-Bakr
Im April 2005

LESEPROBEN

Die Frau (Auszug)

Wie sollte ich ihr nach der langen Zeit gegenüber treten? Sie war schuldig, lange wollte ich es nicht wahrhaben. Als ich nach der vergangenen Zeit an jenem Zaun stand, lief mein ganzes bisheriges Leben wie ein Traum voller irrealer Wahrnehmungen ab.

Sie stand da, vor jenem Zaun, dessen Höhe weit in den Himmel ragte, so dass man das Ende nicht erkennen konnte. Wo kam sie her? Ich habe sie nicht kommen sehen.... Die knöchernen Hände ließen keine weiteren Gedankengänge zu. Der Bann dieser ungewöhnlichen und angstvollen Frau ließ Ehrfurcht und Abschreckung gleichzeitig in mir aufkommen. Sie trug ein nicht definierbares, weißes Gewand, das sicherlich bessere Tage gesehen hatte....

Langsam streckte sie mir den rechten Arm entgegen, wobei die rechte Hand auffällig klein war. In die Handfläche war eine anmutende Farbkombination gemalt, die sich bei weiterem Öffnen der Hand zu einem mystischen Muster kombinierte. Ich habe jene Zeichnung nur wenige Sekunden gesehen. Es war der Wendepunkt....
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