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Buchvorstellungen > Gedichtsammlungen / Anthologien > HEADLINE-Anthologie 2001 - Kein bißchen tote Hose Neues Buch in dieser Kategorie eintragen

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HEADLINE-Anthologie 2001 - Kein bißchen tote Hose
von Alisha Bionda

Anthologie, Lyrik und Prosa. Softcover, A5, 200 Seiten, Feinleinen, Drucklackiert / erschienen im Verlag Bernd Terlau / Preis: 11,15 Euro / ISBN 3-935473-05-2

Hrsg. Alisha Bionda

Infos zum Buch

46 Autoren aus dem In- und Ausland schreiben Lyrik- und Prosatexte für den kleinen Lesehunger zwischendurch.

Autoren der Anthologie: Friederike Amort, Andreas Bäcker, Alisha Bionda, Reinhard Bitter, Urs Böke, Gerald Brandt, Frank Bröker, Rainer Brunner, Wolf Budinger, Babette Dieterich, Radka Donnell, Marlies Eifert, Barbara Emek, Kai Engelke, Georg Grimm-Eifert, Kalim Großmann, H.H., Stephan Hangleiter, Christa M. Holzhausen, Barbara Jung, Martin Kirchhoff, Bettina Klusemann, Wolfgang Korte, Jürgen Landt, Roland Lange, Barbara "Balo" Lorenz, Bernd Mehrtens, Bard Miraclyst, Ralf Neubohn, Reimund Neufeld, Stefan T. Pinternagel, Daniel Pop, Irene Salzmann, Andreas Schmitt, Roman Schnura, Sabine Scholz, Karl-Heinz Schreiber, Dirk Schuhmacher, Christiane Schwarz, Thomas Schweisthal, Hardy Sikler, Sonja Sligar, Volly Tanner, Waltraud Weiß, Peter Wendlandt, Michael Wenzel.

Die Vielzahl der AutorInnen bietet eine breite und unterhaltsame (Lese-) Palette. Ob nun Irene Salzmanns "Die Elite" die Schulpolitik durchleuchtet, Urs Böke mit "Ohne Titel" wieder einmal mit seinem Kurzsätzler-Text überzeugt, Friederike Amort die Literatur- und Barbara Jung die RECHTE-Szene bekrittelt, Marlies Eiferts "Kummerkasten dringend gesucht", Dirk Schumachers "Auf gute Nachbarschaft", Frank Brökers "Der Schleimer" oder Reinhard Bitters "Mich ekeln die Schweiger" soziale Missstände darlegen - sie alle unterhalten auch ... ohne erhobenen Zeigefinger, oftmals mit einem Augenzwinkern - auf leicht-lesbare Art, aus der "klassischen" Literatur - als auch Social-Beat-Szene. Auch daraus ergibt sich eine ungewöhnliche Mischung. Erwähnenswert sind ebenso Roland Langes nacherzähltes Märchen der Gebr. Grimm "Der Wolf" und Bard Miraclysts "Drogensavanne".

Die HEADLINE-Anthologie erscheint in unregelmäßigen Abständen in Anlehnung an die Literaturzeitschrift "HEADLINE", die künftig auch über den vbt (www.v-b-t.de) erscheint.


Textproben


Kummerkasten dringend gesucht
von Marliese Eifert

Schwestern,

ich wende mich an Euch, denn männliche Kummerkästen, ich glaube, die gibt's nicht. Männer klagen nicht, Männer lösen ihre Probleme anders...

Wer von Euch kennt das? Ich sitze abends gemütlich vorm Fernseher und will mir den Rühmannfilm ansehen. Telephon. Das kann nur Ines sein. Ich will's klingeln lassen, aber mein schlechtes Gewissen sagt, du kannst sie nicht im Stich lassen. "Ines", sage ich: "Ich will den Film sehen. Machs kurz."

Ines: "Du, ich weiß nicht mehr, was ich machen soll. Mein Mann... Ich weiß genau, ich hab' sie gesehen. Egon und die andere. Du, ich muß mit dir reden! Wie sie aussah, die andere."

Ich erfahre es detailliert. Und ich wollte doch Rühmann sehen. Ein Mann ging durch die Wand. Wann gibt's den Film noch mal? Aber - so mein Gewissen - ich werde gebraucht. Und ich höre zu.

Am andern Tag verabrede ich mich mit Ines zum Kaffee. Abends muß ich zu Reinhild. Reinhild wird gemobbt. Am Arbeitsplatz. Sie ist am Ende. Migräne. Krankschreibungen. Dabei nimmt sie ihren Beruf ernst. Liebt ihren Beruf. Jetzt macht sie alles falsch. Ihr PC stürzt ab, der Kaffee, den sie für ihren Chef kocht, ist dauernd zu stark - oder zu schwach. Ihr Mann sagt, sag dem Chef deine Meinung. Das kann sie nicht. Ihr Mann sagt, wie siehst du aus? Schau mal in den Spiegel!

Birgit - meine andere Freundin - i s t schon entlassen. Wer soll das große Haus bezahlen? Der Pleitegeier steht vor der Tür.

Sabine wird von ihren Kindern gehetzt. Sie ist nur am Kochen, Putzten, Waschen. Kein Kind hilft. Ihr Mann auch nicht. Der sieht abends fern.
Abends bügelt Sabine im Keller.

Nein, von Ingeborg erzähle ich nicht.

Nur so viel noch: Bücher über Mobbing breiten sich in meinem Bücherschrank aus. Ein Buch über Zwangsversteigerung habe ich bestellt. An der Wand hängt noch der Zettel mit Terminen für Ines, Reinhild, Birgit, Sabine, Ingeborg.

Schwestern, ich bin am Ende. Meine Tochter nimmt Hasch, mein Sohn schwänzt die Schule und läßt sich im trauten Heim nicht mehr sehen. Mein Mann hat die Scheidung eingereicht. Mein Chef mobbt mich. Ich bin am Ende: Ich habe Migräne , Stiche in der Brust.

Mit wem kann ich reden?

Schwestern, ihr meint, da habe ich doch Ines, Reinhild, Birgit, Sabine, Ingeborg.

Ines habe ich gestern angerufen. Die mußte ihren Film noch zu Ende sehen.

Reinhild am Telephon: "Ach du, ich hab Migräne, ich kann an nichts denken!"

Ingeborg hat sich geduldig einen Satz angehört. Dann: "Du, ich kann jetzt nicht, mein Mann ruft. Bis später."

Mit Birgit war ich im Cafe. Nach fünf Minuten sah sie auf die Uhr. "Ich muß zum Notar. Dringend. Es ist sowieso schon zu spät."

Sabine hatte vorgestern, als ich bei ihr war, ihren Großwaschtag...

Schwestern, was habe ich falsch gemacht?

Ich brauche jemanden, mit dem ich reden kann. Über meine Probleme.

Ob ich eine Anzeige aufgebe: Kummerkasten. Dringend gesucht.


EID DES HIPPOKRATES
von Alisha Bionda

Ich schwor den
Eid
Leben zu retten.

Deines fällt
zerteilt
in einen Eimer.

Entsorgt
als Sondermüll
- Abtreibung.


* Alle Rechte auf die Textproben liegen bei dem Verlag Bernd Terlau GbR, Leichlingen.
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